Die AfD-Fraktion und die „Lückenpresse“

Als es im Sächsischen Landtag beim Thema Zukunft der sächsischen Braunkohle diskutativ hoch her ging, griffen dieses Thema fast alle sächsischen Zeitungen genussvoll auf. Öffentlicher Streit ist immer gut für Medien und Auflage. Aber – uuups – war die AfD-Fraktion beim Thema nicht im Plenarsaal?  Weder LVZ, DNN noch Sächsische Zeitung verloren nur ein gedrucktes Wort über die temperamentvollen Redebeiträge
der sächsischen Alternative. Dabei wurde umfangreich über die Debatte berichtet. Grüne und Linke kamen immerhin zu Wort; Oppositionsparteien wie die AfD, deren Meinung aber durchs mediale Raster fiel.

Ähnlich ging es der AfD auch, als Parteien und Minister um den Haushalt und um neue Lehrerstellen im Freistaat rangen. Linke und Grüne durften ihren abgegebenen medialen Senf morgens in der Zeitung lesen und für ihr Archiv ausschneiden und kopieren. Die AfD-Pressestelle schob die arbeitslos gebliebene Schere in die Schublade zurück, der Kopierer blieb ebenfalls kalt. Es gab keinen Text über die Positionen der eigenen Abgeordneten, obwohl die laut und deutlich dazu gesprochen hatten.

Den Vogel schossen aber die DNN ab, als ein Redakteur in einem Artikel vom 22. April 2016 behauptete, die AfD habe zwei Mal nicht auf eine Anfrage der Zeitung zum Thema Abwehrzentrum im Landeskriminalamt reagiert. Richtig geraten – es gab keine Anfrage von der Redaktion an die Fraktion. Weder per E-Mail noch per Anruf. Die Reihe solcher Fälle ließe sich ewig fortsetzen.

Nehmen wir nun einmal an, es liegt nicht daran, dass in den Redaktionsstuben Alzheimer grassiert und die Reporter und Redakteure schlicht „vergaßen“, Positionen der AfD zu veröffentlichen. „Lückenpresse“ hat diese Art selektiven Journalismus Schriftsteller Michael Klonovsky jüngst getauft. Der Publizist mischt nun ebenfalls in den Reihen der AfD-Fraktion mit, weil er den „Meinungskorridor“ in vielen Medien enger werden sieht.

Die AfD-Fraktion sammelt solche Beispiele von bewusster Ignoranz. Nicht aus Masochismus, sondern um beweisen zu können, dass die allermeisten Medien inhaltliche Positionen der AfD verschweigen, wohl um dann immer wieder die Mär zu verbreiten, dass wir inhaltlich nichts oder nur wenig anzubieten hätten. Allerdings werden auch die Lücken in der Leserschaft solcher Blätter immer mehr und immer größer. Deutliche Zeichen dafür, dass mündige Bürger wenige Lust auf betreutes Schreiben durch pädagogischen Journalismus verspüren.


von Andreas Albrecht Harlaß

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