Die Lüge vom Aussterben der Deutschen am Beispiel Norwegen

„Sterben die Deutschen aus?“ barmte „Der Spiegel“ bereits im Januar 2000. Kaum ein Monat oder eine Woche vergeht, in der Leit- oder deren hinterherhechelnde Schwarmfisch-Medien nicht davor warnen, dass es uns Deutsche irgendwann nicht mehr geben wird, weil die Fertilität – also die Fähigkeit Nachkommen zu erzeugen – schwindet, wie die Alpengletscher unterm Ozonloch, über das übrigen kaum noch jemand spricht, weil es – oh Wunder – so gut wie verschwunden, sprich fast wieder geschlossen ist. Aber das ist ein anderes Kapitel. Obwohl – bei der „Oh-Gott-Wir-Sterben-Bald-Aus-Debatte könnte es sich wie bei der Ozonloch-Panikmache ebenfalls um eine Mediensau handeln, die die durch das sprichwörtliche Dorf getrieben wird.

Beispiel Norwegen. Ein reiches, soziales, sauberes Land. Knapp 400 000 Quadratkilometer groß. Nur ein klitzekleines Stück größer als Deutschland mit reichlich 360 000 Quadratkilometern. Während sich im Nordland 13 Einwohner auf einem Quadratkilometer räkeln können, weil der Platz dafür vorhanden ist, sind es in Deutschland fast 230 Einwohner. Was für ein fürchterliches Gedrängel! Sozial und verhältnismäßig reich sind wir zwischen Rügen und Berchtesgaden zwar auch (noch), aber längst nicht mehr sauber. Beschmierte Wände, überquellende öffentliche Papierkörbe, marode Straßen - auch verursacht durch Verschleiß verursachende Menschenmassen.

Um es kurz zu machen: ein paar Millionen weniger und wir könnten vielleicht besser atmen, wären weniger gereizt, vielleicht auch wieder etwas naturverbundener. Aber das darf man nicht laut sagen. Arbeitgeber-Präsidenten jaulen bei dem Gedanken auf, dass sie sich nicht mehr aus dem Heer der Arbeitslosen bedienen können, die ja der Staat (also wir!), nicht aber sie bezahlen. Darum klatschen die industriehörigen Parteien auch Beifall über Millionen „Asyl-Einwanderer“. Werden diese doch die potentiellen Lohndrücker und Billigarbeiter sein. Über Platz im Land, gepflegte Infrastruktur und Naturverbundenheit, darf man zwar reden, aber nicht im Zusammenhang mit Überbevölkerung. Fragen Sie doch mal einen Norweger, ob dort die Debatte: „Sterben die Norweger aus?“ geführt wird. Bei bisschen was über fünf Millionen Einwohnern sollte man meinen, die Zeit dafür wäre reif. Aber die denken gar nicht daran, über solchen Unfug zu reden.

Deutschland hatte schon einmal so viel Einwohner, wie wir heute haben: Knapp 80 Millionen. Das war 1939. Damals reichte Deutschland aber noch bis ins heutige Russland hinter Königsberg. Österreich gehörte  auch dazu. Genauso wie das Sudetengebiet. Nach dem Krieg, 1946, war Deutschland um etwa ein Drittel Fläche kleiner und hatte nur noch 65 Millionen Einwohner. Dennoch begann bald darauf das so genannte Wirtschaftswunder. Im Jahr 2060 wird die Bundesrepublik statt heute 81 laut Statistischem Bundesamt nur noch 68 bis 73 Millionen Einwohner haben. Also noch genug, um ein erneutes Wirtschaftswunder zu beginnen. Vielleicht kommt ja noch ein Babyboom dazu. Also keine Bange – wir sterben nicht aus. Die Norweger übrigens auch nicht. Vielleicht haben wir aber etwas mehr Platz im Land - und besser bezahlte Altenpfleger. 


Statistische Erhebungen:

 

Jahr

Einwohner

Veränderung in %

1950

69.346.000

 

1955

71.350.000

+2,89

1960

73.147.000

+2,52

1965

76.336.000

+4,36

1970

78.069.000

+2,27

1975

78.465.000

+0,51

1980

78.397.000

-0,09

1985

77.661.000

-0,94

1990

79.753.000

+2,69

1995

81.817.000

+2,59

2000

82.260.000

+0,54

2005

82.438.000

+0,22

2010

81.752.000

-0,84

2011

80.328.000

-1,74

2012

80.524.000

+0,2

2013

80.767.000

+0,3

 

Datum ¹

Fläche in km²

Einwohnerzahl

Einwohner
je km²

1. Dezember 1871

541.561

41.058.792

76

1. Dezember 1875

539.829

42.727.360

79

1. Dezember 1880

540.522

45.234.061

84

1. Dezember 1885

540.597

46.855.704

87

1. Dezember 1890

540.504

49.428.470

91

2. Dezember 1895

540.658

52.279.901

97

1. Dezember 1900

540.743

56.367.178

104

1. Dezember 1905

540.778

60.641.489

112

1. Dezember 1910

540.858

64.925.993

120

1. Dezember 1916

540.858

62.272.185

115

5. Dezember 1917

540.858

62.615.275

116

8. Oktober 1919

474.304

60.898.584

128

16. Juni 1925

468.718

62.410.619

133

16. Juni 1933

468.787

65.362.115

139

17. Mai 1939

583.370

79.375.281

136

29. Oktober 1946

353.460

65.137.274

184

 

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