Es sei denn, die Neuzüchtung kommt ohne Magen-Darm-Trakt aus…

Andreas Albrecht Harlaß


Es gab einmal eine Frauenbewegung, die erhob berechtigterweise Ansprüche auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Eine Teilhabe, von der Frauen bis dato ausgeschlossen waren. Sie wollten wählen dürfen, arbeiten gehen, nicht geschlagen werden – kurzum: Keine Diskriminierung!  Es waren legitime Forderungen, die vor Jahren umgesetzt wurden, was auch gut ist. Wofür kämpft man aber, wenn eigentlich alle Ziele weitestgehend erreicht sind?

Beim Kämpfen hat man festgestellt: Es fetzt!“ Es verschafft Aufmerksamkeit, sorgt für Adrenalin und bei Erfolg explodieren Endorphine. Ergo: Es müssen neue Ziele her, um weiterkämpfen zu können. Die „Radikal-Feministin“ Laurie Penny aus Großbritannien wurde fündig. In ihrem aktuellen Buch „Babys machen“, erhob sie nun die Forderung an Wissenschaft, Politik, Medizin und Gesellschaft, endlich „technische Alternativen zur Schwangerschaft“ zu entwickeln. In der Süddeutschen Zeitung fragte sie öffentlich und tatsächlich ernst gemeint: „Warum sollten Babys nicht im Labor entstehen?“ und „Wieso ist eine technische Alternative zum Mutterleib so undenkbar?“, um obendrein auszustoßen: „Ich liebe Babys, aber keine eigenen, denn ich will mit Kacke nichts zu tun haben.“

Nun könnte man kopfschüttelnd ob dieses provokanten Unfugs zur Tagesordnung übergehen und denken, dass es eben eine Verrückte mehr auf der Welt gibt. Könnte man, wenn einen nicht das bedrückende Gefühl beschleichen würde, dass es der Dame ernst ist und sie sich mit ihrer kruden These bestärkt fühlen darf. Immerhin widmete ihr die Süddeutsche Zeitung – also ein Blatt, dass ernstgenommen werden will – ein umfangreiches Interview dazu. Ihr neues Buch dazu wurde mit der Anmerkung beworben, dass es aktuell auch in Deutschland erschienen ist - die anderen beiden wurden erwähnt. Die Dame ist zudem selbst Journalistin. Sie schreibt für The Independent, The Guardian, The Times und den New Statesman – ebenfalls renommierte Zeitungen. Vordergründig also keine Quartalsirre.

Stellen wir uns also kurz vor – oder versuchen es zumindest -, Babys kommen aus dem Labor. Das heißt erst einmal, die Eizelle muss ausgelagert und mit Sperma „angereichert“ werden. Dann züchtet man das Kleine in einer Art Brutkasten, der die gleichen technischen Eigenschaften benötigt, die ein Kind im Mutterbauch wachsen lässt. Nach etwa neun Monaten nehmen wir es dann heraus und…? Wer stillt es? Wird es genauso geliebt, wie ein unter Schmerzen geborenes Kind? Ja, ist es überhaupt ein echtes Kind- oder eher ein Produkt das nicht ge-, sondern erzeugt wurde? Was ohne Liebe, dafür mit technischer Perfektion produziert wurde, mag qualitativ hochwertig sein. Kommt es aber beim Menschen darauf an? Und zuletzt: „Kacke“ muss auch beim Retortenbaby weggeputzt werden. Es sei denn, die Neuzüchtung kommt ohne Magen-Darm-Trakt aus.

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