Gutmenschen wollen nicht so genannt werden!

„Scheinbar soll die rosarote Engstirnigkeit, mit der die Flüchtlingskrise im vergangenen Jahr in weiten Teilen der Gesellschaft gesehen worden ist, rückwirkend auch sprachpolizeilich zum Prinzip erhoben werden.“ So kommentierte in ganz und gar „nichtgutmenschlicher“ Manier die „Neue Osnabrücker Zeitung“ die Wahl der so genannten „Unwort-Jury“ den „Gutmensch“ per Unwort des Jahres zu ächten. Dicht gefolgt von „Hausaufgaben“ im Zusammenhang mit den nichterledigten monetären Sanierungsmaßnahmen Griechenlands und dem eher selten verwendeten Begriff „Verschwulung“.

Kein anderes Wort als „Gutmensch“ beschreibt jedoch so treffend jenen Typ eilfertigen Eiferer, der im Glauben die Menschheit erziehen zu müssen - oft mit kreisendem Zeigefinger - nicht selbst erarbeitete finanzielle Mittel für seine missionarische Penetranz einsetzt. Fruchtbare Nährböden für gedeihendes Gutmenschentum sind beispielsweise Trommel- und Batikkurse, Gewerkschafter-Büros oder Parteitage der Grünen, Zeitungsstuben und die Redaktionskonferenz des TV-Magazins „Mona Lisa“ Der Gutmensch gilt als naiv, empathisch und stets bemüht. Naturwissenschaftler sind seltener Gutmenschen. Sie gehen Dingen auf den Grund. Das wollen Gutmenschen nicht, weil Fakten geeignet sind, Vorurteile, ja ganze Weltbilder zu neutralisieren.

„Niemals begeht der Mensch das Böse so gründlich, als wenn er es mit gutem Gewissen tut“, sagte der Philosoph Blaise Pascal. Die Neue Osnabrücker Zeitung meint dazu: „Auch und gerade, wer sich berufen fühlt für eine bessere Welt zu streiten, ist in der Gefahr, in selbstgerechte Blindheit zu verfallen. ‚Gutmensch‘ zum Unwort des Jahres zu wählen ist selbstgerecht und blind. ‚Gutmensch‘ zum Unwort zu küren entspringt daher einem frappierenden Mangel an Reflexion und Kritikfähigkeit genau derer, die damit gemeint sind – und bestätigt, wie berechtigt es ist, auf ihre unversöhnliche Fixierung aufmerksam zu machen.

Focus-Journalist, Michael Klonovsky, definiert: „Die Tatsache, dass es unproduktive Unterschicht, Sozialschmarotzer, ja dass es Plebs gibt, findet der Gutmensch so skandalös, dass er jeden zum Schlechtmenschen erklärt, der darauf hinweist. Wenn es sich obendrein noch um Migranten handelt, kommt der hierzulande so beliebte Rassismus- und Ausländerfeindlichkeitsvorwurf mit derselben Sicherheit zur Anwendung, wie dessen Handhaber fernab von sozialen Brennpunkten siedeln.“

Einige Qualitätsmedien werteten die aktuelle Unwort-Wahl mit dem „Ritterkreuz aller Argumente“ auf, dass der Gutmensch eine Erfindung der NS-Ära sei. Dies hätte der Gutmenschen-Dachverband DJV herausgefunden und den Gutmenschen darum auch auf den Index der Schlechtwörter gesetzt. Aber nicht einmal „wikipedia“ glaubte das und versuchte nachzuweisen, dass ihn bereits Nietzsche verwendete und der Gutmensch erst Anfang der 90er Jahre zum Kampfbegriff gegen die 68er in Stellung gebracht wurde. „Gutsein ist, wie alles, eine Frage der Dosis, wenn man es übertreibt, wird es totalitär“, meint Martenstein dazu.

Zum Un-Satz des Jahres sollte übrigens „Wir schaffen das“ gekürt werden. Aber darauf würden Gutmenschen nie kommen!

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