Von der Entfremdung zur Natur oder warum jedes 2. Kind noch nie auf einem Baum war

Von Andreas Harlaß

Es ist eine aktuelle Emnid-Umfrage im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung, die nun beweist, was längst offensichtlich ist: Demnach sind 49 Prozent der deutschen Kinder zwischen vier und zwölf Jahre noch nie auf einen Baum geklettert. Und fast ein Viertel hat noch nie ein frei lebendes Tier gesehen. Was vor wenigen Jahrzehnten gang und gäbe war, ist abgelöst. Der elektronische Zeitgeist wirbelte tornadoartig durch Stuben, Kinderzimmer, Büros. Zurück ließ er keine abgedeckten Dächer, aber ‐ und das ist folgenreicher ‐ heranwachsende Bewegungsruinen. Nintendo ist seit dem Wirbelsturm cooler als Bäche anstauen, Super-Mario ersetzte Draußen-Räuberspiele. Sofa, Rechner, Fastfood, statt Regen, Sonne, Wald. Laut Ernährungsexperten sind inzwischen etwa 20 Prozent der deutschen Kinder übergewichtig. Sechs Prozent gelten als fettleibig.

Natur verursacht nun Angst. Was man vergaß, erzeugt Scheu und Mißtrauen. Es wird als neue Gefahrenquelle wahrgenommen. Auch das belegt die Emnid-Studie. Eine der Fragen darin lautet: "Eine Mutter erlaubt ihrem zehnjährigen Sohn, mit einem Freund im Wald zu spielen. Die Mutter des Freundes ist dagegen. Sie findet, das ginge nur, wenn ein Erwachsener auf die Kinder aufpaßt. Wer hat Ihrer Meinung nach Recht?" 53 Prozent der Befragten stimmten der ängstlichen Mutter zu. "Das elementare Wißen über Wildtiere und Pflanzen vor unserer Haustür schwindet rasant", sagt der Geschäftsführer des Forum Bildung Natur der Deutschen Wildtier Stiftung, Michael Miersch: "Vor allem jüngere Eltern haben Angst vor der Natur."

Aber nicht nur bimmelnde, klingelnde, singende und plärrende Rechner tragen Schuld an Naturentfremdung. Während vor einigen Jahren Heimatkunde-Unterricht fester Bestandteil mehrerer Klaßenstufen war, werden Kinder heute in Halbkreisen sitzend über Familien "gesch(w)ult", in denen es zwei Papas oder Mamas gibt, oder der Papa früher eine Frau war. Woran man einen Erpel erkennt, daß eine Lärche kein Vogel ist und Fische nicht paniert durchs Bächlein schnellen, bleibt zunehmend auf der Strecke.


Ausgerechnet die Grünen, die sich gern als Natur- und Heimatschützer gerieren, forcieren die Entfremdung zwischen Mensch und Natur. Sie und ihre Gesinnungsfreunde bei der Linken oder auch der SPD sind es, die Gender-Quatsch zum politischen Lehrstoff erheben, Quoten für alles Mögliche fordern, statt mit Schülern Bäume zu pflanzen und Buben solchen Unfug erzählen, daß deren kindliche Aggreßion nicht genetisch bedingt, sondern anerzogen ist. Natürlich um später eine rückwärtsgewandte, reaktionäre Patriarchen-Rolle ausfüllen zu können. Ein Blick in das Wahlprogramm der Alternative für Deutschland in Sachsen zeigt einen möglichen Weg auf, wie Verdummung und Naturentfremdung trotz Rechner- und TV-Regime für kommende Generationen zurückdrängbar sind: "Vereine und Schulen, die sich im Heimat- und Naturschutz engagieren, sind besonders zu fördern", steht darin.

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