Unser Land braucht viel, viel mehr Tüftler und Erfinder!

📬 Post aus Sachsen! Die Sonntagskolumne von Jörg Urban 📬
 
Liebe Freunde, liebe Leser,
 
im internationalen Wettbewerb verliert Deutschland immer mehr den Anschluss.
 
Zum einen hat unsere Wirtschaft mit einer Industrieflucht ins Ausland und mit einer wachsenden Anzahl von Insolvenzen zu kämpfen. Zum anderen rutscht unser Land zusehends in eine ausgewachsene Bildungskatastrophe.
 
Dieser Ausdruck ist leider keine Übertreibung. Im Pisa-Test ging es für Deutschland zuletzt in allen Kategorien steil bergab. Die Lesekompetenz ist deutlich schlechter geworden. Die mathematischen Fähigkeiten sind schlechter geworden und auch in den Naturwissenschaften zeigt diese Statistik einen deutlichen Kompetenzverlust.
 
Die ersten Plätze im Pisa-Test belegen heute asiatische Staaten. In den Naturwissenschaften gehen die Plätze eins bis fünf allesamt nach Asien. Auf Platz sechs folgt das kleine Estland, aber das erste europäische Land mit einer großen Bevölkerung ist tatsächlich Großbritannien auf Platz 14. Deutschland – das ehemals stolze Land der Dichter und Denker – steht heute im internationalen Bildungsvergleich auf Platz 22!
 
Das sind düstere Aussichten für unsere wirtschaftliche Zukunft. Denn im Zeitalter von Robotik und Künstlicher Intelligenz wird es vor allem auf Mathematik und Naturwissenschaften ankommen. China hat das verstanden, und nahm deshalb in den letzten Jahren eine radikale Neuausrichtung seiner Hochschulen vor. Laut „Handelsblatt“ wurden zwischen 2021 und 2025 über 12.000 Studiengänge gestrichen und dafür 10.000 neue eingeführt.
 
Die Tendenz dabei ist klar erkennbar: Gestrichen wurden Geistes- und Sozialwissenschaften. Stattdessen gibt es viele neue „technologieorientierte Studiengänge“, denn China möchte führend bei Halbleiter-Technologie, bei der Entwicklung von Robotern und im Bereich der Raumfahrt werden.
 
Schauen wir nun auf unser schönes Sachsen: Im Land von Sigmund Jähn, dem ersten Deutschen im Weltraum, gibt es auch Raumfahrt-Studiengänge. Die Möglichkeiten dazu sind an unseren Technischen Universitäten durchaus gegeben. Trotzdem findet keine klare Priorisierung statt.
 
Im Gegenteil: Es gibt in Sachsen knapp über 100.000 Studenten. 10.000 von ihnen studieren Geisteswissenschaften von „A“ wie Afrikanistik bis „S“ wie Sorabistik.
 
Hinzu kommen 35.000 angehende Juristen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. Von „Ausländerpädagogik“ an der TU Dresden bis hin zur klassischen Volkswirtschaftslehre ist hier alles dabei. Manches davon wird gebraucht, vieles aber auch nicht – vor allem nicht in dieser Größenordnung.
 
Die Naturwissenschaften und die Mathematik kommen hingegen insgesamt nur auf 10.000 Studenten. Angehende Ingenieure gibt es immerhin 30.000. Obwohl Sachsen eine große wissenschaftliche Tradition hat, kommen wir bei den reinen Naturwissenschaften nur auf einen Anteil von 10 Prozent aller Studenten. China kommt hier auf 40 Prozent.
 
Wir haben also einen deutlichen Überhang bei geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern. Begonnen hat diese Ausrichtung der Hochschulen in den 1970er-Jahren. Mit dem starken Ausbau der vergleichsweise billigen geisteswissenschaftlichen Studienfächer sollte einerseits die damalige Arbeitslosigkeit verschleiert werden. Andererseits wurden mit dem sogenannten „Marsch durch die Institutionen“ immer neue Professuren für linke Ideologen geschaffen, die so bequem auf Steuerzahlerkosten leben können.
 
Auf den gesellschaftlich-kulturellen Schaden, den diese Geschwätz-Wissenschaftler in unserem Land angerichtet haben, will ich an dieser Stelle gar nicht eingehen, denn fest steht, dass es für die Bildung in Deutschland fünf vor zwölf ist.
 
Wenn wir wirtschafts- und bildungspolitisch nicht umsteuern, zerrinnt unser Wohlstand, und auch unser Sozialstaat muss und wird dann kollabieren. Für ein rohstoffarmes Land, dessen Unternehmen im internationalen Wettbewerb stehen, ist eine Bildung auf höchstem Niveau die Grundvoraussetzung für Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Eine lückenhafte und falsch ausgerichtete Schul- und Hochschulbildung zerstört die Zukunftschancen unseres Landes.
 
In anderen westlichen Staaten nimmt dieses Umdenken übrigens bereits Fahrt auf: Der Unternehmer Alexander Karp will in den USA die Herrschaft der bürokratieverliebten Juristen beenden und fordert vom Silicon Valley eine Stärkung des „Ingenieurinstinkts“ und zugleich eine „Verteidigung der Nation“.
 
An Deutschland gerichtet, sagte Karp vor wenigen Tagen, Deutschland müsse seine „suizidale“ Einwanderungs-, Energie- und Technologiepolitik beenden. Das möchte ich unterschreiben – mit einer Einschränkung: Wer glaubt, der Umstieg auf Rüstungsindustrie sei ein Allheilmittel für unsere Wirtschaft, der irrt sich gewaltig. Denn Rüstung wird hauptsächlich aus Steuergeldern bezahlt.
 
Währenddessen fließen in den nächsten fünf Jahren vermutlich 2,6 Billionen Euro an privatem Kapital in Rechenzentren und Infrastruktur für Künstliche Intelligenz.
 
Um von diesem Wachstum etwas abzubekommen, brauchen wir keine Soziologen, Journalisten oder Genderwissenschaftler. Wenn Deutschland das Zeitalter der Robotik und Künstlichen Intelligenz aktiv mitgestalten will, wenn Deutschland von diesen Entwicklungen wirtschaftlich profitieren will, dann brauchen wir neben günstiger Energie exzellent ausgebildete Naturwissenschaftler, Ingenieure und Informatiker. Und genau darauf müssen sich unsere staatlich finanzierten Hochschulen konzentrieren!
 
Bis nächsten Sonntag,
Ihr Jörg Urban
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